Am Nakba Tag
auf der Strasse 60 von Al Masara
nach Bethlehem
Wir
verlangen Anerkennung und
Gerechtigkeit
- Joharah Baker - In
dieser/letzter Woche gedenken
die Palästinenser der Nakba, der
Katastrophe, die über das
palästinensische Volk kam, als
Israel gegründet wurde. Jedes
Jahr hängen Palästinenser
Transparente auf, die auf das
Recht der Rückkehr hinweisen;
sie tragen die alten Schlüssel,
die ihre Heimat symbolisieren,
die sie verlassen mussten und zu
der sie nicht zurückkehren
können. Die Schlüssel erinnern
an das Palästina, das sie vor 65
Jahren verloren haben.
Dieses Jahr
wird es nicht anders sein. An
jedem 15. Mai erinnern
Palästinenser an ihre
Katastrophe und verlangen
Gerechtigkeit. Sie verlangen,
dass denen das Recht der
Rückkehr gewährt wird, die
tatsächlich über Nacht zu
Flüchtlingen gemacht und zu
einem Leben verurteilt wurden,
das sie nicht gewählt haben.
Aber mehr als alles andere
verlangen sie die Anerkennung
der Tragödie, der sie ausgesetzt
sind, die aber von Israel
geleugnet wird, dass sie je
geschah oder noch schlimmer,
dass sie sie selbst verschuldet
hätten.
Es sind 65
Jahre her, dass Israel 1948
gegründet wurde, was bedeutet,
dass diejenigen, die ins Exil
geworfen wurden und jetzt
entweder sehr alt sind oder
schon längst verstorben sind. Es
sind nur noch wenige, die die
Nakba durchmachten, und nur noch
wenige, die sich an die wenigen
kostbaren Erinnerungen z.B.
eines kleinen Gartens vor ihrem
Haus in Jaffa klammern oder an
den salzigen Geruch des Meeres
in ihrem Stadtteil in Haifa. Wir
übrigen sind entweder die
Nachkommen dieser Flüchtlinge
oder gewöhnliche Palästinenser,
die das Gefühl haben, dass die
Sache der Flüchtlinge auch ihre
eigene Sache ist, weil sie sich
als ein Volk empfinden.
Die
Palästinenser haben eine Sache
klar gemacht: Das
Flüchtlingsproblem wird auch
nicht mit dem letzten Flüchtling
sterben. Der Verlust, die
Ungerechtigkeit und die
Tatsache, dass die meisten, die
gezwungen wurden, ihre Heimat zu
verlassen, nicht mehr leben,
wird trotzdem von der ganzen
Nation empfunden.
Wir können
die Zeit nicht zurückdrehen. Was
verloren wurde, ist verändert
oder zerstört worden oder
wurde von Israels
Neu-Ankömmlingen übernommen. Was
wir tun können, ist, am Recht
der Anerkennung fest zu halten,
denn die Ungerechtigkeit muss in
Wort und Tat korrigiert werden;
denn Palästina wird weder von
unserm Gedächtnis noch von
unserm Herzen vergessen werden.
Übersetzung und
Zusammenfassung Martina Lauer
Joharah Baker schreibt für
Media and Information
Department at the Palestinian
Initiative for the Promotion of
Global Dialogue and Democracy (Miftah)
http://www.miftah.org
, Mifta, 13. Mai 2013 -
(dt. Ellen Rohlfs)
Das Recht auf Rückkehr ist der
Schlüssel zur Freiheit
-
Am 15. Mai wurde der 65ste
Jahrestag der Vertreibung von
750 000 Palästinensern aus ihren
Häusern und die Zerstörung von
mehr als 500 palästinensischen
Dörfern – in manchen Fällen mit
Massakern- durch zionistische
Streitkräfte im Jahr 1948
begangen, berichtet die
Internationale
Solidaritätsbewegung aus
Ramallah in der von Israel
besetzten Westbank.
Hausdemolierungen,
Landkonfiszierungen,
Siedlungsausbau, militärische
Besatzung, Beschränkungen der
Bewegungsfreiheit und das
systematische Bombardieren des
Gazastreifens zielen auf die
ethnische Säuberung Palästinas,
um den zionistischen Traum eines
Grossisrael zu verwirklichen.
Palästinenser in zahlreichen
Dörfern und Städten in der
Westbank in Jerusalem und Gaza
und in den Flüchtlingslagern in
den benachbarten arabischen
Ländern haben wieder ihre Recht
auf Rückkehr in ihr Land und
ihre historische Heimat
eingefordert.
In Ramallah marschierten etwa
400 Demonstranten für das Recht
auf Rückkehr der fünf Millionen
Palästinenser, die als
Flüchtlinge in der ganzen Welt
leben.
Gegen Mittag liefen
Demonstranten zum militärischen
Gefängnis Ofer. Die israelische
Armee verschoss die üblichen
enormen Mengen an Tränengas und
Gummimantelgeschosse, was bei
vielen Leuten zu
Erstickungsanfällen und Atemnot
führte; einige Teilnehmer wurden
verletzt und ein Demonstrant
erhielt eine Kugel ins Bein.
In Beit Ummar blockierten
Palästinenser und Internationale
die Autobahn Nr. 60 kurzzeitig,
die Hauptverkehrsader zwischen
israelischen Siedlungskolonien
im Norden und Süden der
besetzten Westbank. Israelische
Soldaten warfen Schockgranaten
auf die Demonstranten und
feuerten Gummimantelgeschosse
und Tränengas. Ein Demonstrant
wurde am Kopf getroffen ein
anderer am Bein, und
palästinensische Sanitäter
behandelten beide an der Szene.
65 Jahre nach der Nakba ist das
Recht auf Rückkehr absolut der
Schlüssel im Kampf für
palästinensische Rechte und die
Freiheit der Palästinenser.
Übersetzung und Zusammenfassung
Martina Lauer
Right of Return still key –
Nakba Day demonstrations
violently suppressed by Israeli
forces, Team Ramallah 15.
Mai 2013, International
Solidarity Movement;
http://palsolidarity.org/2013/05/right-of-return-still-key-nakba-day-demonstrations-violently-suppressed-by-israeli-forces/
Duheisha: Widerstand im Zeichen
der Nakba
-
Einen Tag vor dem Jahrestag der
Nakba wurde im Aussenbezirk von
Bethlehem ein Erinnerungsmarsch
vom Flüchtlingslager Duheisha
zum Dorf Al-Khader abgehalten.
Hunderte von Palästinensern aus
Duheisha und der Umgebung, jung
und alt, protestierten im
Gedenken an die Nakba und gegen
die Schliessung einer ihrer
landwirtschaftlichen Strassen,
die von der israelischen Armee
erst vor kurzem vorgenommen
wurde.
Einige der Kinder sprachen von
ihren Vätern, die im Widerstand
gegen die Besatzung von der
israelischen Armee getötet
wurden.
Als während der Demonstration
einige Schulmädchen auf ihrem
Heimweg an den Demonstranten
vorbeiliefen, wurden sie
ebenfalls mit Tränengaskanistern
beschossen. Eine Schülerin wurde
ohnmächtig und musste ins
Krankenhaus eingeliefert werden.
Die nächste Gruppe im Zielfeuer
der israelischen Soldaten war
die örtliche Feuerwehr, die auch
mit einem Hagel von
Tränengaskanistern eingedeckt
wurde, als sie zur Löschung
eines von Tränengaskanistern
verursachten Brandes auf einem
Feld ankam.
Das Flüchtlingslager Duheisha
wurde ursprünglich nur als
temporäre Lösung für
Nakbaflüchtlinge aus 45 Dörfern
westlich von Jerusalem und
Hebron errichtet.
Vortrag ausgefallen: Erfolg für
einen "Privatmann" oder sein
Eigentor?
-
Prof. Dr. Rolf Verleger
-
Für den 15. Mai 2013 war ich zu
einem Vortrag an der
deutschsprachigen Andrássy-Universität in Budapest
eingeladen. Der Titel:
"Weltkrieg um Palästina: Von
Lord Balfour bis John Kerry".
Dabei ging es um die Entstehung
der Balfour-Deklaration aus
britischen Weltmachtinteressen
und um die Diskussionslinien im
Judentum zur damaligen Zeit.
Dies geschah im Rahmen einer
Kolloquiumsreihe der Fakultät
für Internationale Beziehungen.
Am 10. Mai 2013 meldete sich ein
Herr Ilan Mor telefonisch beim
Rektor der Universität. Er
sprach sich scharf gegen meine
Person aus: Ich wolle die
Vernichtung Israels, mit mir
könne man nicht diskutieren etc.
Daher möge der Rektor bitte
diesen Vortrag absagen.
Ansonsten könnte er, der Herr
Ilan Mor, ernsthaft verstimmt
sein. Aber er rufe hier nur als
Privatmann an.
In seinem Berufsleben ist Herr
Ilan Mor der Botschafter Israels
in Ungarn. (In dieser
Eigenschaft hatte ihn übrigens
die Universität vor einigen
Wochen zu einem Vortrag im
Rahmen der Kolloquiumsreihe
eingeladen.)
Die Andrássy-Univesität wird
unter anderem mit Geldern aus
Deutschland finanziert. Der
Rektor liest deutsche Zeitungen
und weiß, wie sie über Ungarn
berichten. Er wollte nicht eine
weitere Vorlage für den Vorwurf
liefern, in Ungarn herrsche der
Antisemitismus. Daher hielt er
es für opportun, den Vortrag
abzusagen.
Was ist der Effekt dieser
Intervention des Privatmanns
Herrn Ilan Mor?
A) Mein Vortragstext wurde an
die interessierten Lehrenden und
die studentischen Teilnehmer
verschickt. Sie haben ihn jetzt
und können sich ein eigenes Bild
machen.
B) Der Rektor verbrachte die
ausgefallene Vortragszeit mit
mir, dem Dekan der Fakultät und
einigen Kollegen beim
Abendessen. Wir hatten angeregte
Gespräche. Ich schenkte ihm mein
Buch "Israels Irrweg. Eine
jüdische Sicht."
C) Alle Beteiligten haben einen
nachhaltigen Eindruck davon
erhalten, wie es manche
israelischen Privatmänner mit
der Meinungsfreiheit halten.
Ich möchte noch an zwei
gleichartige Ereignisse
erinnern:
1) Anfang Februar 2012 sollte am
Brooklyn College (New York
City) eine
Diskussionsveranstaltung zu BDS
(Boykott, Kapitalabzug und
Sanktionen) gegen Israel
stattfinden, mit Omar Barghouti
und Judith Butler.
Es meldeten sich "Israelfreunde"
und forderten, die Veranstaltung
solle abgesagt werden oder
zumindest "ausgewogen" sein. Die
Collegepräsidentin hielt dem
Druck stand und verteidigte das
Recht auf freie Rede und
Debatte. Unterstützt wurde sie
durch den New Yorker
Bürgermeister Michael Bloomberg.
Er sagte den Kritikern "If you
want to go to a university where
the government decides what kind
of subjects are fit for
discussion, I suggest you apply
to a school in North Korea."
http://www.nytimes.com/2013/02/07/nyregion/bloomberg-defends-brooklyn-colleges-right-to-bds-talk.html?_r=0
2) Zwei Tage vor meinem Vortrag
erklärte es das
Verwaltungsgericht Freiburg für
rechtswidrig, dass die
Universität Freiburg im Dezember
2012 ihre Räume einer
Veranstaltung über die
medizinische Versorgung der
Einwohner Gasas nicht zur
Verfügung gestellt hatte. Laut
Urteil stelle eine Universität
schon nach ihrem
Selbstverständnis eine Stätte
der geistigen Auseinandersetzung
und somit auch ein Forum für
kritische und parteiliche
Stellungnahmen dar.
http://vgfreiburg.de/servlet/PB/menu/1284217/index.html?ROOT=1192792
Übrigens schrieb mir am 10. Mai
– als der "Privatmann" den
Rektor anrief - aus heiterem
Himmel jemand:
"I can only pity you for your
bullshit opinions and beliefs.
... Get lost, asshole"
und dann nochmal (da ich
Wiederworte gab) am 11. Mai:
"you are nothing but a
self-hating Jew who cannot
understand that Jews are just
like every other people who have
a state. … Lick the every
Germans' assholes, but it won't
help you."
Als ich diese Person dann auf
die Widersprüche Ihrer
Argumentation hinwies, da konnte
sie am 12. Mai plötzlich deutsch
("Deine Meinungen sind zum
kotzen" etc.)
Die e-mail – Adresse dieses
anonymus ist
dapper98@hotmail.com. Für
Hinweise auf seine Identität
wäre ich dankbar. Er kommt
vermutlich aus dem Umfeld des
Vereins "honestly concerned
e.V.", dessen Vorsitzender in
einem Brief an den Rektor der
Andrássy-Universität über mich
herumpöbelte, am 10. Mai, im
Gleichklang mit dem Anruf des
Privatmanns Mor. Mit besten
Grüßen Rolf Verleger
Siedler zünden palästinensisches
Land und Olivenbäume an
-
Saed Bannoura - Am 13. Mai 2013,
einem Montag zündet eine Gruppe
extremer israelischer Siedler
einen palästinensischen
Olivenhain und
landwirtschaftlich genutztes
Land des Dorfes Qaryout südlich
von Nablus in Brand.
Lokale
Quellen berichten, dass
bewaffnete Siedler die Felder
anzündeten und die Dorfbewohner
daran hinderten, ihr Land zu
erreichen, um das Feuer zu
löschen.
Bashar
Qaryouty, Dorf-Koordinator des
Volkskomitees gegen die Mauer
und die Siedlungen berichtet,
dass auf den verbrannten
Feldern Weizen angebaut war und
Olivenbäumen standen.
Qaryouty
fügte noch hinzu, dass die Größe
der verbrannten Ländereien
nahezu 25 Dunum war.
Die
israelische Armee rief
schließlich ein Feuerwehrauto,
da das Feuer sich der
israelischen illegalen
Shilo-Siedlung näherte, die auf
dem Land des Dorfes erbaut
wurde.
(dt. Ellen Rohlfs ----- kann
man darüber etwas in unsern
Zeitungen lesen ? --- es ist
nämlich längst nicht das erste
Mal, dass Felder und Olivenbäume
zerstört werden. Über 1 Million
pal. Olivenbäume wurden schon
von Israelis zerstört. Und die
palästinensische Behörde kann
anscheinend nichts dagegen tun
????)