Die Achse der Gerechten

WIR haben die PFLICHT NICHT Wieder zu SCHWEIGEN
 Die auf Henryk M. Broder "Reaktions-Arena"

NICHT DIE OFFIZIELLE HOMEPAGE VON Henryk M. BRODER


 
Das meint der Leser... über Henryk M. Broder - 112

Kompromisse nach zionistischer Art - Gastkommentar zu Broders Artikel: "Kommentar: Wie Frieden im Nahen Osten einkehren kann" vom 7.1.09. zur aktuellen Lage in Gaza
Dr. Viktoria Waltz

 

Wie immer fesch und  gut  neo-zionistisch gebrüllt von diesem  Löwen des modernen Journalismus und ewigen Besserwisser,  wenn es um Israel geht

Das Zitat mit dem Plan, der nicht geht, weil der Mensch z.B. ‚nicht schlecht  genug‘ sei, ist auch nicht schlecht, Brecht wusste so oft Dinge auf den Punkt zu bringen.

Seit es den ‚Friedensprozess‘ gibt, ist jeder vorgelegte Plan Israelischer Regierungen im Verbund mit Europa und Amerika  auf eine Verkleinerung des palästinensischen Staatsgebietes und auf weitere Demütigung der palästinensischen Seite  hinausgelaufen – gehen tun sie also alle nicht.  Auf gleicher Augenhöhe wurde, konnte  nie verhandelt werden unter Bedingungen der Besatzung. Israel von allen Mächten finanziell, militärisch  und politisch ‚gepampert‘, hat seit 1993  die völkerrechtswidrigen Kolonien verdoppelt, die Zahl der Siedler ebenso – alles gegen Haager Konvention und UN- Beschlüsse. Bedingungen wurden immer nur an die Palästinensische Seite gerichtet, und zwar als  sine qua non Voraussetzung – die israelische Seite konnte munter ihre Kolonisierungspläne verwirklichen. Was großmäulig von Israel, dem Quartett und Amerika als ‚Lösungen‘ angeboten wurde, war immer mit einer Forderung des Verzichts auf  Land und Souveränität  verbunden.  

Die absurdeste Erfindung, der die Palästinenser - wollten sie in den ‚Friedensprozess‘ zusteigen - sogar zustimmen mussten,  war nach Oslo die Teilung der palästinensischen Gebiet in Zonen A, B und C: A=autonom palästinensisch, C= autonom israelisch und B= zivile Kontrolle palästinensische Autonomiebehörde und Sicherheitskontrolle israelisch, was B letztendlich in C verwandelte – und dies mit der Aussicht (?), langfristig alles in A zu verwandeln. Es entstand "Trizonesien", einst eine makabre Kabarett Persiflage auf die Teilung Deutschlands in Militärzonen nach Beendigung des 2. Weltkriegs (aber anders als die Palästinenser hatte das faschistische Deutschland den vom damaligen Regime angezettelten Krieg zu verantworten, der Millionen Tote und Verwüstungen hinterließ). Gleichzeitig war in Oslo verabredet, dass keine Seite irgendeine Änderung der bestehenden Verhältnisse betreiben solle. "Neither side shall take any step that will change the status of the West Bank and the Gaza Strip…" Article XXXI, Oslo II, 1995.). Nach diesem Abkommen sollte die Palästinensische Seite bis Juli 1998 volle Kontrolle über 95% der West Bank und des Gaza Streifens bekommen haben. Was aber wurde durch Israels Politik der Schaffung von Tatsachen und einseitiger Forderungen an die Palästinensern daraus?

Table 1: Prozente des Rückzugs Israels aus den palästinensischen Gebieten entsprechend der Vereinbarungen, bzw. reale Veränderungen

Agreements

B

C

Oslo II (Mai - 1994)

3.0%

24.0%

73.0%

Wye I (Oktober 1998)

10.1%

18.9%

71.0%

Wye II & III (nicht verwirklicht)

18.2%

21.8%

60.0%

Sharm I (September 1999)

10.1%

25.9%

64.0%

Sharm II  (verzögerte Implementierung)
 (Januar 2000)

12.1%

26.9%

61.0%

Sharm III (verzögerte Implementierung)

(März 2000)

18.2%

21.8%

60.0%

Aktuelle Situation (2008) keine Änderungen, über 600 diverse Blockaden, Hindernisse, Mauern zerteilen das Land

Siehe OCHA

 

 

(Source: ARIJ GIS Database 2007,  OCHA:

 http://www.ochaopt.org/documents/ocha_opt_west_bank_closure_map_a3_2008_09_11.pdf
)

 

Am 28. September 2000, brach die sog. 2. Intifada aus, bekannt als Al Aqsa Intifada, infolge des provokativen ‘Spaziergangs’ Sharons in den Heiligen Bezirk der al Aqsa Moschee auf dem Gebiet des Felsendoms. Dies war nicht nur eine Reaktion auf Sharons bewusste Aggression, sondern auch  eine Antwort auf das sichtbare Scheitern des Friedensprozesses, der sichtbar wachsenden Anzahl an Kolonien, Aussperrungen, Zerstörung von Häusern und so weiter. Israel hatte inzwischen die Politik der ‚inneren Aussperrung‘ (Einschränkung der Bewegungsfreiheit innerhalb der West Bank zwischen fast allen Gemeinden) noch ergänzt durch die ‚äußere Aussperrung‘ (fast vollständige Einschränkung der Bewegungsfreiheit zwischen der West Bank, Gaza und Ost Jerusalem). Im April 2002 besetzte die Israelische Armee die Palästinensischen Gebiete  erneut, zerstörte und belagerte Städte und Dörfer wie Jenin, Nablus und Ramallah und stellte die Besatzungssituation wieder her durch alle Arten von Kontrollen, Checkpoints, Aussperrungen usw. Heute sind erneut 95% der West Bank nicht mehr unter souveräner Kontrolle der Palästinensischen Autonomiebehörde (siehe Tafel). Diese spielt inzwischen nur noch eine Marionettenrolle in dem Prozess. Wenn sie nicht ‚abnickt‘ was Olmert, die Europäer oder die USA verlangen, dann hatte und hat auch sie keine Rolle in diesem Theater, das Friedensprozess genannt wurde und doch nur dazu dient, die Palästinenser in ein endloses Tauziehen zu verwickeln und schließlich allem zuzustimmen oder zuzulassen, was Israel für seine Sicherheitsinteressen hält: am besten jede Staatsidee aufzugeben, die bereits vollzogene Bantustanisierung der palästinensischen Städte und Dörfer zu akzeptieren oder zu verschwinden. 

Was träumt Herr Broder uns vor? ‚vorsichtigen Anfang‘? ‚Kompromiss‘? Gaza wieder an ‚Ägypten‘? Wiederherstellung der bereits von Israel zerstörten ‚Infrastruktur‘ in der West Bank? Zunächst Waffenruhe,  dann mal abwarten und Tee trinken?

Vorsichtiger Anfang? Dies wurde doch bereits seit 1993 versprochen: Anfangs mit 3% Land - jetzt nach 15 Jahren sind es zwar nominell etwa 40%, aber laut UN OCHA 2008 durchtrennen über 600  Checkpoints, Straßenblockaden, Toren, Erdwälle, Erdgräben und für die Palästinenser nicht benutzbaren Autobahnen und ebenso nicht bebaubare sog. ‚Naturreservate‘ das Land, sodass real nur die schon dicht besiedelten Gebiete noch ‘ genannt werden können.

Kompromiss – aber mit Mauer, Checkpoints und Aussperrungen, Kolonien, Okkupation Ost Jerusalems, der Spaltung der palästinensischen Gebiete wie vor 1967?

Kulturelle Vereinigung der Menschen in Gaza mit den Ägyptern – was für ein europäischer Hochmut und Diskriminierung des ‚islamischen Orientalen‘ (edward said sei bedankt für seine Orientalismus Analyse)!

Aufbau der Infrastruktur – damit es wieder von vorn gehen kann, was längst geschah mit Hilfe vieler Geldgeber und großen Gewinnen für die Macher, und wovon vieles  allein 2002 zerstört worden ist durch das israelische Militär .

Die wirtschaftliche Situation hat sich verbessert? Sie war noch nie so schlecht, alles hängt am Tropf Israels und seiner inflationären Kriegswirtschaft, der Shekel regiert in Israel und Israel will nochmal profitieren am Elend der Palästinenser? Die Baufirmen für den Zaun und die Betonmauer verdienen sich dumm und dämlich, täglich 1,5 Millionen Dollar alleine die Zaunproduzenten wie man nachlesen kann, die Siedlerbewegung mit ihren Baufirmen bereichert sich an dem Konflikt – das soll ruhig so bleiben?

Wer bezahlt aber die Verwüstungen durch die zionistische Armee? Frau Merkel oder Frau Knobloch, die ‚inoffiziellen Pressesprecherinnen‘ der real zionistischen Regierungsgruppe von Olmert, Livny und Barak?

Was Broder vorschlägt ist sowohl kalter Kaffe als auch bereits mehrfach an den Palästinensern blutig experimentiert. Das aktuelle Experiment wird zu weiterem Blutvergießen führen wobei das Stillhalten der großen Mächte Israel geradezu ermutigt weiterzumachen (die jüngste UN Resolution ist an keine Zeit oder Bedingungen gegenüber Israel geknüpft und Livny hat bereits gesagt, dass Israel seine Interessen unabhängig davon weiter verfolgen wolle - also weiter töten und zerstören ? ). Wenn Gaza erst einmal von den Ägyptern erneut kontrolliert wird, Deutsche Marine vielleicht die Rolle der israelischen Kampfboote ein paar Meilen vor der Küste übernimmt, dann kann die nächste Schlacht um Hebron, Jenin, Nablus oder Bethlehem problemlos beginnen.

Vergessen wir nicht, was Broder noch so denkt: Zum Thema Nahost am 08.05.09 durfte er in spiegel online seine wahre neo-zionistische Meinung äußern: "Das Problem der Palästinenser ist nicht, dass sie vertrieben wurden, sondern dass sie nicht weit genug vertrieben wurden. Viele von ihnen leben in "Lagern" und können mit bloßem Auge dahin schauen, wo ihre Eltern und Großeltern mal gelebt haben."

Aktuell haben sich erneut 20.000 Menschen in den bereits überfüllten Flüchtlingslagern der UN WRA  in Sicherheit zu bringen versucht, von den 1,5 Millionen Bewohnern des Gazastreifens sind 2/3 eine Million! Flüchtlinge, also die, die ‚nicht weit genug Vertriebenen‘ und noch Zeitzeugen der Vertreibung oder Nachkommen sind. Man kann sie mit bloßem Auge von Sederot, einer der 30 ‚Neuen Städte‘ aus dem Programm innerer Kolonisierung Ben Gurions zwischen 1948 und 1965 sehen; aber kaum noch die Reste ihre Dörfer in direkter Nähe der sog. ‚Grünen Grenze, jetzt eine feste Mauer,  wo ihre Großeltern vor 1948, der Staatsgründung,  gelebt haben: Al Ma’in, Bayhat Abo Hamash, Hirbiya, Bayt Jirja, Hulayyat, Burayr, Juhayd, Ad Dinqur, Karm Abu Kar,  Karm Abu Aye, Ghawali al Im, Bayhat Abu Kuhay, Ain Nusayrat, nur einige wenige von den hunderten zerstörten Dörfer, ganz zu schweigen von der Vertreibung der Bewohner aus den Städten Majdal und Askalan in unmittelbarer Nähe.

Das zynische Schwadronieren mancher Journalisten ist nichts anderes als die Zündung von Nebelkerzen, damit nicht herauskommt was der Kern des langjährigen Blutvergießens ist: auf der einen Seite Israels Weigerung seit 1948 eindeutige Grenzen zu definieren, die illegale Kolonisierung bis an den Jordan fortzusetzen und Ost Jerusalem widerrechtlich zu annektieren und auf der anderen Seite die unsägliche Toleranz der Welt gegenüber Israels Kriegsverbrechen, den Menschenrechtsverletzungen und Missachtung der UN Beschlüsse im eigenen Interesse an diesem schwelenden Konflikt m ölreichen Umfeld.

Frieden verlangt Kompromisse von Israel, die Besetzung und Kolonisierung aufzugeben, die Menschenrechten und UN Beschlüsse einzuhalten und bedingungslos mit den gewählten Vertretern der Palästinenser zu verhandeln. Dann auch können die Palästinenser auf Augenhöhe dabei sein und verhandeln statt verzweifelt kämpfen. Die Vereinten Nationen und die großen Mächte können dies dann erzwingen, wenn sie  jedwede finanzielle und militärische Hilfe an Israel einfrieren  bis diese Forderungen erfüllt sind.

Das eigentliche Problem ist aber der zionistische Rassismus. Diese für das 21te Jahrhundert völlig unwürdige Ideologie gehört auf dem Müllhaufen der Geschichte entsorgt, denn reformierbar ist diese Ideologie genauso wenig wie Kapitalismus und Kommunismus, wie wir inzwischen feststellen können. Von der muss sich Israel verabschieden, um ein demokratischer, säkularer Staat zu werden, wenn es sich im Nahen Osten langfristig in sicheren Grenzen eingliedern möchte. Denn, bricht nur ein Stein aus diesem rassistischen Konstrukt aus Ideologie, Waffen und Beton heraus, stürzt das ganze Gebäude ein wie weiland in Berlin 1989 zu besichtigen war.

 

 

 
 

 


Start | oben
 

 

Kontakt               Impressum                  Haftungsausschluss