Die Achse der Gerechten

WIR haben die PFLICHT NICHT Wieder zu SCHWEIGEN
 Die auf Henryk M. Broder "Reaktions-Arena"

NICHT DIE OFFIZIELLE HOMEPAGE VON Henryk M. BRODER


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Die Mogelpackung: Norman Nathan Gelbart
http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/nathan_norman_gelbart_die_mogelpackung_der_antizionisten/

 Abraham Melzer

 

Hätte er nur geschwiegen, dann hätten manche noch geglaubt, er sei ein guter Anwalt. So weiß jeder, dass er nur ein Advokat ist, der von der Geschichte des Judentums und somit auch von der Geschichte des Antisemitismus, keine Ahnung hat. Beschnitten zu sein reicht nicht, um ein guter Jude zu sein, und Jura studiert zu haben, reicht offensichtlich auch nicht, um eine fundierte Allgemeinbildung aufzuweisen.

Der ganze, kurze und widerwärtige Artikel von Nathan Gelbart, basiert auf eine falsche „sichere Erkenntnis“, dass nämlich „jeder Antizionist zwangsläufig auch Antisemit ist.“ Das klingt zwar auf den ersten Blick einleuchtend und überzeugend, aber schon beim zweiten Blick fällt es wie ein Kartenhaus in sich zusammen und entpuppt sich als „sichere Dummheit“ und die Erkenntnis von der Unwissenheit und Unbildung des Advokaten. Diese Formel ist so einfach, wie sie auch falsch ist. Sie kann nur in einem Gehirn entstehen, in dem es nur schwarz oder schwarz gibt. Keine anderen Farben.

Denn jeder, der sich mit der Geschichte und dem Ursprung des Antisemitismus nur ein wenig befasst hat, allerdings ein wenig mehr, als oberflächlich, der wird doch wissen, dass es nicht wenige Antisemiten gab, die ganz und gar nicht antizionistisch, sondern umgekehrt, leidenschaftliche Zionisten waren, die für die Errichtung eines Judenstaates in Palästina und die Verschickung aller Juden dorthin mit ihrem ganzen Herzen, Verstand und Infamie gekämpft haben. So zum Beispiel der Ur-Antisemit Wilhelm Marr, der überhaupt den Begriff „Antisemitismus“ erfand. Schon 17 Jahre vor Herzl plädierte er dafür, alle Juden nach Palästina zu schicken. Das war für ihn die einfachste Art sie alle loszuwerden. Auch die Nazis haben die zionistische Idee gemocht und die Zionisten unter den Juden unterstützt.

Überhaupt waren die meisten Antisemiten im 19ten Jahrhundert gar nicht für eine Endlösung a la Nazis, sondern für die Vertreibung der Juden aus dem jeweiligen Volkstum, in Deutschland also aus dem Deutschtum. So wie es in Israel die Anhänger der zionistischen Moledet-Partei mit den Palästinensern machen wollen. Sie wollen sie nicht töten, sondern nur „transferieren“, deshalb steht auch „Transfer“ groß auf ihrer Fahne. Und Transfer ist genau so wenig Vertreibung, wie Endlösung Vergasung ist, oder?

Auch die heutigen Freunde des Zionismus, die „Christen für Israel“ sind im Grunde eingefleischte Antisemiten. Sie wollen, dass alle Juden nach Israel auswandern in der Hoffnung, dass irgendwann der Mesias wieder kommt und alle Juden in Israel zu Christen werden. Judenfreunde sind das nicht. Aber Zionisten.

Liest man aber weiter in diesem dummen Pamphlet von Gelbart, dann stehen einem schon die Haare zu Berge und man hat das Gefühl nicht genug essen zu können, wie man kotzen wollte.

Die erste Frage, die sich mir stellt: Wer bestimmt eigentlich wer Antizionist (und daher auch Antisemit) ist? Sind es etwa die Böcke: Broder, Gelbart und Co.?  Und in wessen Auftrag tun sie das?

Ja, Herr Gelbart, man kann Antizionist sein und das Existenzrecht Israels ausdrücklich anerkennen, kein Antisemit sein und Kritik an der israelischen Politik üben. Oder muss man da vorher bei Ihnen um Erlaubnis fragen?  Sind etwa Avram Burg, Shulamit Aloni und Uri Avnery, um nur drei Beispiele von Tausenden zu nennen, Antisemiten, weil sie die Politik ihrer Regierung hart kritisieren und sich vom real-existierenden-Zionismus distanzieren? Ja, sogar ein Avram Burg, der einmal der Präsident der zionischtisten aller zionistischen Organisationen war! Antifaschismus, Antiimperialismus, Antikommunismus und Antikapitalismus sind jeweils ehrenwerte Bewegungen und  viele Anhänger bestimmt auch ehrenwerte Menschen; es ging immer darum die Ideologie zu bekämpfen, nicht die Menschen und schon gar nicht die Staaten. Ähnlich ist es in der Tat auch mit dem Antizionismus. Der Zionismus ist eine politische Bewegung und sie hatte von Anfang an Anhänger unter den Juden, aber auch viele Gegner. In Deutschland zum Beispiel waren die meisten deutschen Juden, mehr als 90%, gegen den Zionismus. Waren sie deshalb etwa Antisemiten? Herr Nathan Gelbart, wie lächerlich wollen Sie sich selber noch machen, indem Sie automatisch Zionismus mit Judentum gleichsetzen. Der Zionismus ist nicht das Judentum, sondern nur eine von vielen Bewegungen im Judentum, der man anhängen kann und die man auch bekämpfen kann, wie zum Beispiel viele fromme und orthodoxe jüdische Sekten machen. Und Antizionismus ist demnach nicht Antisemitismus, denn sonst wären einige Millionen Juden nach Ihrer Definition Antisemiten. Da wird sich ja der Chabad-Rebbe in Brooklyn bei Ihnen ganz herzlich bedanken.

Es stimmt, Herr Nathan, dass der Antisemit sich an der Existenz des Juden schlechthin stört und diesen vertreiben und im Extremfall auch vernichten will. Wer bestimmt aber wer ein Antisemit ist? Wenn bei Ihnen oder bei ihrem Mandanten jeder, der einen Pups in Richtung eines Juden loslässt, schon ein Antisemit ist, und jeder, der Israels Politik kritisiert sowieso, dann braucht man mit Ihnen nicht mehr zu debattieren, sondern Sie und ihresgleichen ignorieren, in einen Topf werfen und darauf hauen. Man trifft immer schon den richtigen.

Natürlich sollen die Antisemiten nicht die Möglichkeit haben „per Knopfdruck“ Juden, Kommunisten und Imperialisten dem Erdboden gleich zu machen. Interessant in diesem Bild ist nur die Tatsache, dass Sie Juden, Kommunisten und Imperialisten in einem Sack stecken. Sollte es denn nicht heißen: Zionisten, Kommunisten und Imperialisten? Oder ist es eine beschlossene Tatsache für Sie, dass Juden Zionisten sind und Zionisten Juden?

Sie vereinnahmen „alle“ Juden, ohne sie gefragt zu haben. Mich zum Beispiel haben Sie nicht gefragt. Aber ich bin für Sie wahrscheinlich kein Jude, oder ein sich selbst hassender Jude, und solche zählen ja bekanntlich nicht. Vielen Dank Herr Nathan, aber ich bin sicher, dass ich für das zionistische Israel mehr getan und geopfert habe, als Sie sich denken können. Sie gehen aber sehr frei und leichtfertig mit Begriffen um, von denen Sie offensichtlich nicht die geringste Ahnung haben.

Sie behaupten, dass es dem „Antizionisten“ nicht um Kritik an einer „Möglicherweise“ falschen Politik Israels geht. Sie wollen es gar nicht zulassen, dass es eine „falsche“ israelische Politik überhaupt gibt, weil es nicht geben kann, was es nicht geben darf. Das ist ihre „juristische“ Logik. Sie ist aber falsch! Es gibt eine „falsche“ israelische Politik und diese ist in der Tat völlig unabhängig von „einer bestimmten“ israelischen Regierung. Was dieses „falsche“ Politik betrifft, also die Unfähigkeit eine vernünftige Politik zu machen, die irgendwann zu einem Frieden für alle Menschen der Region führen könnte, diese Unfähigkeit zeichnet „alle“ israelischen Regierungen seit 1948 aus. Ben Gurion, Eshkol, Golda Meir, Shamir, Netanjahu, Barak, Peres und selbst Rabin waren alle ideologisch aus derselben zionistischen Schule. Es gab keine Unterschiede. Der einzige Ministerpräsident, der aus der Reihe tanzte, war Moshe Sharet. Der wurde aber von seinen zionistischen Kollegen vorgeführt und bald abgewählt. Es lohnt sich seine Tagebücher zu lesen, aber da müssen Sie Hebräisch verstehen, was leider nicht der Fall ist. Da lernt man viel von verpassten Gelegenheiten. Nicht nur die Palästinenser haben jede Gelegenheit genutzt, um eine Gelegenheit zu verpassen. Auch die Israelis haben jede Gelegenheit verpasst, um eine Gelegenheit zu nutzen. Die Erklärung dafür ist ganz einfach: in beiden Fällen wollten sie nicht.

Der „Antizionist“, wirft Israel „Rassismus, Vernichtungspolitik, Nazimethoden, Apartheid, Tötung von Kleinkindern und Menschenrechtsverletzungen vor“. Und wissen Sie was, Herr Nathan, sie, Ihre „Antizionisten“, haben sogar zuweilen Recht, auch wenn es Ihnen nicht passt. Mit jeder dieser Vorwürfe und Beschuldigungen. Selbst was die Nazimethoden betrifft, so war es kein anderer, als ihr Mandant HMB, der über Gaza schrieb: „Parthy im KZ“. Broder selbst vergleicht Gaza mit einem KZ. Ist Broder nun ein Antizionist? Schön wäre es. Broder hat aber Recht. Israel hat aus Gaza ein KZ gemacht, oder zumindest ein Ghetto. Beides keine schmeichelhafte Vergleiche für die israelische Politik. Und da jammern Sie, dass es mutige Menschen gibt, die zu einem Verbrechen auch das sagen, was gesagt werden muss. Wir alle haben doch mit dem Leben unserer Familien bezahlt, weil in Schweden und England, in Frankreich und USA kein Mensch die antisemitische Politik der Nazis kritisiert hatte, noch nicht einmal die zionistischen Organisation in den USA. Und die zionistischen Revisionisten in Palästina versuchten sogar mit den Nazis zusammenzuarbeiten. Was sagen Sie jetzt, Herr Nathan?

Deshalb können wir jetzt nicht schweigen, wenn wir Unrecht sehen oder davon hören.

Sie schreiben von einer „Klamottenkiste“, meinen Evelyn Hecht Galinski, ohne ihren Namen zu nennen, weil Sie nämlich feige sind, und ziehen einen übel riechenden Fisch aus Ihrem Anwaltskoffer hervor, der ganz nach ihnen stinkt. Ganz nach ihren nutzlosen und lächerlichen „Gerichtsklamotten“, mit denen Sie schon zwei Prozesse gegen vermeintliche „Antizionisten“ verloren haben. Machen Sie nur so weiter. Mazel und Bruche wünsche ich Ihnen dabei.

Sie haben mit ihrem Abschluss wieder Recht, Herr Nathan. Der Antizionismus ist nicht zu vergleichen mit einem „Anti-Polanismus (was immer das auch sein soll), Anti-Hollandismus oder Anti-Italienismus (Was Simbabwe betrifft, so formt sich gerade jetzt schon eine große „Anti“ Bewegung, wegen der Verbrechen des alten Mugabe). Aber im Unterschied zum Zionismus, verbreitet der sog. „Polanismus“ keine Blut und Boden Ideologie von der Heiligkeit des Bodens und der Rasse. Die Polen haben große Teile ihres Territoriums an Russland verloren und haben sich damit abgefunden, so wie Deutschland sich mit dem Verlust von Schlesien etc, abgefunden hat. Die Polen halten nicht ein anderes Volk in Gefangenschaft, ebenso wenig wie die Holländer und Italiener. Deshalb kann man da nicht vergleichen.

Wer die heute noch gültige zionistische Ideologie von Groß-Israel gut findet und verteidigt, der hat es nicht anders verdient, als dass man ihn verachtet und aus der gesellschaftlichen Mitte rauswerft, an den Rand, wo bei uns die Nazis sich tummeln und Friedhöfe beschmieren, wie vor einigen Tagen jüdische Neonazis arabische Moscheen und Häuser in Jaffa mit rassistischen Parolen beschmiert haben.

1992 lehnte die Regierung Bosniens den Bundesstaat Jugoslawien ab. Die serbische Regierung bestritt ihrerseits der Regierung Bosnien-Herzegowinas die Legitimität und wollte sie stürzen; ihre mächtige Armee führte in ihrem Selbstverständnis einen Kampf gegen muslimische Extremisten und schnitt daher die Versorgung der wehrlosen Stadt Sarajevo ab. Die Einwohner Sarajevos wehrten sich so gut sie konnten, aber Tausende wurden getötet. Nun ersetzen wir in dieser Schilderung das Jahr 1992 durch 2006, den Bundesstaat Jugoslawien durch den Staat Israel, die bosnische durch die palästinensische Regierung, die Tausend getöteten Einwohner Sarajevos durch die Hunderte in Gasa. Der Unterschied zwischen Sarajevo 1992-1995 und Gasa 2006-2008 ist: Die Anführer der Belagerung Sarajevos wurden bereits in Den Haag als Kriegsverbrecher zu hohen Strafen verurteilt, die Anführer der Belagerung Gasas noch nicht.

 

Herr Nathan, Sie sind eine Mogelpackung. Sie wollen uns weismachen, dass sie Demokrat und Liberaler sind, (...)  Und deshalb Vorsicht: Wo Norman Nathan Gelbart drauf steht, da ist auch NNG drin.

Ich aber bin stolz „Anti“ zu sein. Das bekenne ich „ungeniert“.

 

Lechaim: Abraham Melzer

 

 

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