Hurra – vor Broder kapituliert
der Verstand!
Oder
Broders
lockerer Umgang mit der
Wahrheit
Shraga Elam
Es ist
geradezu
peinlich, wie der
Publizist Henryk Modest
Broder, der einen sehr
lockeren Umgang mit der
Wahrheit pflegt, stark
auf dem Vormarsch ist
und nun – mit dem Segen
des »Focus«-Chefredakteurs
– sogar den
Ludwig-Börne-Preis
erhält.
Es geht
nicht nur darum, dass zu
Recht ein grosser
Aufruhr wegen
antijüdischem Rassismus
entstünde, würde ebenso
Unbedarftes über das
Judentum gesagt, was
Broder hetzerisch zum
Islam publiziert. Aber
nebst seinen
volksverhetzenden
Bewertungen verbreitet
Broder auch noch
nachweisbar falsche
Informationen und bemüht
sich nicht einmal, sie
zu korrigieren oder sich
zu entschuldigen, auch
dann nicht, wenn er
darauf aufmerksam
gemacht wird. Dies
schadet seiner Kariere
jedoch keineswegs, im
Gegenteil, denn es gibt
viele Menschen, die ihn
sehr witzig finden, und
somit scheint es nicht
darauf anzukommen, ob
seine Behauptungen
stimmen oder nicht. Ein
Witz muss schlussendlich
unterhaltend und nicht
wahr sein.
Nichtsdestotrotz hat man
den Eindruck, dass auch
ein Witz jeweils reelle
Verhältnisse
widerspiegelt und
deshalb eine sehr
wirksame Botschaft
vermittelt.
Hier
einige Beispiele von
Broders miserablem
Journalismus, die manch
anderen
Zeitungsschreibern ein
Schreibverbot
eingetragen hätten:
Am 20.
Oktober berichtete
Broder über einen
angeblichen Kniefall vor
MuslimInnen in der
Schweiz:
«Henryk M. Broder
20.10.2006 22:03
Ex
und hopp in der Schwyz!
Eben war er noch da,
jetzt ist er weg, der
Link
http://www.bielertagblatt.ch/article.cfm?id=226837&startrow=16&ressort=Schweiz-BE&kap=bta&job=7921310
:
» Gestern war es noch eine Geschichte über eine Schule in
Biel, auf der
den Schülern das Tragen
von Leibchen mit dem
Schweizer Kreuz
untersagt wurde, weil
sich
moslemische
Schüler durch das Kreuz
provoziert fühlen
könnten.«
Am Tag
darauf war der Artikel
nicht mehr auf dem
Internet verfügbar und
Broder spürte sofort
eine riesige
Verschwörung und Zensur:
» Wenn die Geschichte eine Ente war, hätte sich das Bieler
Tagblatt entschuldigen
müssen.
Weil es aber keine Ente
war, wurde sie gelöscht.
Mutig, mutig die
Schweizer.
Freue mich trotzdem auf
Kronenhalle, Schober und
Sprüngli.«
http://www.achgut.de/dadgd/view_article.php?aid=3578
In
Broders Darstellung war
so ziemlich alles
falsch. Die besagte
Affäre
ereignete sich nicht im
bernischen
Biel, sondern
in
Roggwil, das
woanders, wenngleich
auch im selben Kanton
liegt. Die knapp
4000 Einwohner zählende
Oberaargauer Gemeinde
gilt als Hort
rechtsradikaler
Jugendlicher.
Mehrere
Stunden bevor Broder
seine Zeilen
veröffentlichte, konnte
man sich in
verschiedenen Schweizer
Zeitungen schon ein ganz
anderes Bild machen.
Denn tags zuvor wurde an
einer Medienkonferenz
klargestellt, dass die
Skandalmeldung der
Berner Zeitung (das
Bieler Tagblatt
wiedergab den Beitrag
lediglich) eine
Presseente war, die von
rechts-konservativen
Kreisen im Rahmen ihrer
Wahlkampagne im Umlauf
gesetzt wurde.
Durch
seine mangelhaften
Recherchierkünste und
den vorzeitigen verbalen
Erguss, merkte Broder
nicht einmal, dass diese
Presseente in der
Schweiz gar nicht
zensuriert, sondern ganz
im Gegenteil,
unverhältnismässig
aufgeblasen wurde.
Warum der
Berner-Tagblatt-Link am
nächsten Tag nicht mehr
funktionierte, hat
nichts mit Zensur zu
tun, wie Broder
behauptet, sondern eine
technische Erklärung und
keinen politischen
Hintergrund.
Auslöser
der grossen "Affäre" war
offensichtlich die
harmlose Diskussion in
einer Klasse über ein
Verbot rechtsradikaler
Kluft (Militärhosen
usw.). Thema war
jedenfalls nicht
hauptsächlich das Tragen
des Schweizer
Fussballmannschaftstrikots,
welches mit dem
Schweizerkreuz versehen
ist und seit der
Fussball-WM im Sommer
2006 grosse Popularität
auch unter ausländischen
Jugendlichen genossen
habe. Auch für die
Schweizer
Rechtsradikalen und
Rechtskonservativen, die
gegen das vermeintliche
T-Shirt-Verbot
protestierten, ging es
nicht um das christliche
Kreuz, sondern um das
nationale Symbol.
Auch das
Wort Muslim kam, ausser
in den glühend
islamophoben Fantasien
des deutschen Polemikers
gar nicht vor, der
überall MuslimInnen auf
dem Vormarsch sieht und
das davor
kapitulierende Europa.
Obwohl Broder oft in der
Schweiz weilt, weiss er
nicht, dass erstens der
grösste Teil der
ausländischen
Bevölkerung aus Europa
kommt und zweitens nicht
muslimisch ist, was auch
in Roggwil zutrifft.
Unkenntnis zeigte Broder
auch bei seiner üblichen
arroganten Reaktion auf
meine »kleinen
Korrekturen«.
Einige
Tage nach seiner rüden
Attacke, auch gegen die
Schweizer Medien wegen
ihrer angeblichen
Feigheit und
pro-islamischer Zensur,
trat Broder im Schweizer
TV auf, wo er, neben
seinem klaren Verstoss
gegen das schweizerische
Antirassimusgesetz mit
Aussagen gegen den Islam
auch scheinheilig
behauptete, er möchte
die Schweiz nicht
kritisieren.
Als
typischer Rassist
plädierte er für eine
Verallgemeinerung. Er
gab zwar zu, dass es nur
eine kleine militante
Minderheit unter den 1,5
Milliarden MuslimInnen
gebe, behauptete jedoch,
dass die Differenzierung
die Argumente gegen den
Islam verwässere.
Auf die
Frage des Moderators,
was Broder zum Umgang
der Schweiz mit dem
Islam meine, antwortete
der deutsche Publizist:
»Also zur
Schweiz möchte ich
nichts sagen, weil ich
die Schweiz nett finde
und ich möchte es mit
den Schweizern nicht
verderben.
…
Jeder hat
seine Schwächen und ich
erlaube mir, diese
kleine Schwäche des
Appeasement den
Schweizern gegenüber.« (SFDRS
5.11.2006 11:00 Uhr,
Sternstunde Philosophie)
Einige
Stunden vor der
Ausstrahlung war Broder
auf der Website „Die
Achse des Guten“
gegenüber den
SchweizerInnen aber
nicht so zurückhaltend:
»Die
Schweizer mögen nicht
die temperamentvollsten
Menschen sein - ich
vermute noch immer, dass
sie sich
ungeschlechtlich
vermehren…« 5.11.2006
00:52
http://www.achgut.de/dadgd/view_article.php?aid=3693
Schneller
beim Schreiben als beim
Lesen war Broder auch,
als er plötzlich
„entdeckte“, dass ich
2000 wagte, an den
notorischen britischen
Holocaust-Leugner, David
Irving eine Email zu
schreiben (26.12.2006
http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/e/).
Ich kann
es halbwegs
nachvollziehen, dass ein
Schnellleser wie der
deutsche Publizist nicht
merkte, dass es meine
Motivation war, Irving
von der
Holocaust-Leugnung
wegzubringen.
Ich kann
mit gewisser Mühe
begreifen, dass sich
Broder aus einer
einzigen Email und einer
Antwort darauf eine
Freundschaft zwischen
Irving und mir ersann.
Aber ich schrieb
schliesslich weit mehr
Mails an Broder, und er
duzte mich in seinen
Antworten, was uns
trotzdem nicht zu
Freunden macht.
Absolut
nicht nachvollziehbar
ist hingegen, wie Broder
mich als
Holocaust-Leugner
bezeichnen kann, dies
weil ich Irving schrieb:
»…all the
"proofs" against the gas
chambers in Auschwitz
are not convincing at
all.«
Also auf
Deutsch:
»…alle
die “Beweise”
gegen die
Gaskammern in Auschwitz
sind absolut nicht
überzeugend.«
Dieser Satz verdrehte
Broder in einem
Schmähbeitrag gegen mich
so:
»Die
Beweise
für die
Gaskammern in Auschwitz
sind "nicht
überzeugend".«
Selbstverständlich gibt
es die
Kommentar-Freiheit, die
Broder in der Regel mit
seinen vulgären
Beschimpfungen schon arg
strapaziert. Wenn es
aber um falsche Fakten
und nicht bloss um
Bewertungen geht, sollte
es eine Grenze für
schlechten Journalismus
geben.
Shraga
Elam
Israelischer Journalist
und Buchautor
Zürich/Schweiz
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