Die Achse der Gerechten

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 Die auf Henryk M. Broder "Reaktions-Arena"

NICHT DIE OFFIZIELLE HOMEPAGE VON Henryk M. BRODER

Das meint Abraham Melzer  über Henryk M. Broder
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Henryk M. Broder trifft Maxim Biller: Prolet vs Schriftsteller.

Henryk M. Broder trifft Maxim Biller - Gesellschaft/Leben - Süddeutsche Zeitung Magazin

 Von Abraham Melzer

 
(...) Er war bei dem erwähnten Gespräch Maxim Biller auf der ganzen Länge unterlegen. Seine hilflosen und aufgezwungenen Reaktionen zeigen einen armseligen, geschwätzigen aber humorlosen alten, dicken Juden, der mit Krampf versucht, witzig zu sein und dabei eher traurig, weltfremd, ja phasenweise trollig wirkt.

Schon die ersten Worte Broders zeigen, wie kritiklos und überheblich dieser größte Journalist aller Zeiten in Wirklichkeit ist. Obwohl er gar nicht wusste, was die SZ von ihm will, ist er gekommen mit der Begründung: „Mir ist alles recht“. Hauptsache mit Bild in den Medien erscheinen, das krankhafte Ego mit Streicheleinheiten befriedigen, egal was, wie und weshalb, Hauptsache die Presse schreibt seinen Namen richtig und Hauptsache „…ich langweile dich nicht. Das wäre das Einzige, womit du mich kränken könntest.“ Das ist die erste unverschämte und dämliche unwahre Behauptung des Gesprächs, denn natürlich kann man HMB schon mit Geringfügigkeiten kränken. Es reicht, wenn man schreibt er sein ein „Großmaul“ und schreibt SS statt ß. In einem solchen Fall ist Broder nicht nur gekränkt, er ist auch wütend und rennt zum Pappi, bzw. zu seinem Anwalt.

Broder versucht krampfhaft, witzig zu sein, so krampfhaft, dass Biller am Ende fragen muss: Ist das witzig? Bist du witzig? Und schließlich bescheinigt er ihm, dass seine Witze „nicht jüdischer Humor, sondern schlechter Humor“ sind. Und er stell über Broder fest: „Dich interessieren nur Juden und Sex. Entschuldigung, Juden und Pornografie…“  Und um es klar und deutlich zu machen, fügt er hinzu: „Dein Problem ist, dass seit vierzig Jahren alles unkontrolliert aus dir nach außen strömt. Man weiß nie, was wie gemeint ist. Du machst die ganze Zeit Witze, manche sind gut, und alle denken, das ist jüdischer Humor, aber viele deiner Witze sind gar nicht jüdisch.“ Sie sind nur schlechte Witze und schlechter Humor.

Broder wehrt sich dagegen, aber Biller gelingt es, ihn so deutlich vorzuführen, dass einem plötzlich klar wird, dass man es mit einem primitiven, unklugen „kleinen, bärtigen und bösartigen“ Juden zu tun hat, der sein Leben lang mit zwei Problemen hadert, mit seinem Vater und seinem Übergewicht, was er selber zugibt.

Beim SPIEGEL spielt er die Rolle des jüdischen Redaktionsclown, den der SPIEGEL jedes Mal bei einem jüdischen Thema einsetzt, weil man sich dort fürchtet, sich ansonsten die Finger zu verbrennen. Sie lassen lieber einen Juden solche Themen erledigen, dann macht man keinen Fehler. Und der Jude macht es, denn ihm ist, wie schon gesagt, alles recht.

Erst vor wenigen Wochen hat er Maxim Billers Buch „Der gebrauchte Jude“ im SPIEGEL heftig verrissen und besitzt die Chuzpeh bei dem Gespräch zu behaupten, „Im Prinzip ist meine Kritik doch eine Liebeserklärung an Maxim Biller“. Wenn man nicht wüsste, dass er es ehrlich und ernst meint, dann könnte man auf Ironie kommen. Aber wenn es so ist, dann fragt man sich, wie sieht ein echter Verriss bei Broder aus? Etwa so wie er Michal Bodemans Beitrag aus der SZ kritisiert hat? Indem er Bodeman bescheinigt hat, sein Gehirn sei Flach wie eine Pizza?!

Broder kokettiert damit, dass er „ein Pausenclown“ sei. Das ist er aber gar nicht. Ein Clown soll seine Zuschauer und Zuhörer und Leser amüsieren und erheitern. Broder schafft es aber nur, dass alle über ihn lachen. Von einem jüdischen Clown könnte man erwarten, dass er es schafft, die Leute dazu zu bringen, über sich selber zu lachen. Das Talent dazu besitzt Broder nicht. Er kann sich eben nur lächerlich machen.

Er bescheinigt Biller mehrmals: „Ich finde, er kann schreiben.“ Während Biller wiederholt sagt: „Aber du kannst doch gar nicht schreiben, Henryk.“ Henryk bleibt nichts anderes übrig, als zu wiederholen: „Ich finde, dass du gut schreibst.“ Und gut schreiben heißt für einen Schriftsteller vom Format eines Maxim Biller, dass er das, was er schreibt, ernst nimmt und um jedes Wort ringt und darunter leidet, jeden Tag schreiben zu müssen. Broder versteht diesen Kampf um das kreative Schaffen eines Künstlers nicht. Er ist bloß ein Pausenclown und „…ich würde nie etwas machen, worunter ich leide.“ Und weil er Maxim Biller nicht das Wasser reichen kann, hat er beschlossen, dass auch Biller ein „Pausenclown“ sei, was Biller entsetzt und entrüstet von sich weist, „das geht mir auf die Nerven.“

Und weil Billers Romanwelt ein Spiegelbild seiner tatsächlichen realen Welt ist und demzufolge oft und immer wieder im jüdischen Milieu spielt, meint Broder, der sicherlich keine Romane von Biller gelesen und wenn ja, dann sicher nicht verstanden hat, Biller sei ein richtiger Ghetto Jude. „Man kann den Juden aus dem Ghetto holen, aber nicht das Ghetto aus dem Juden.“ Spätestens da musste ich laut lachen und die Stelle meiner Frau vorlesen, die ebenfalls lachen musste, weil sie sich daran erinnern konnte, dass das genau die Worte waren, mit denen ich erst vor kurzem Broder beschrieben habe. Broder projiziert  seine eigene Problematik und Situation auf seinem Gegenüber und tut das immer wieder auch mit anderen Gegnern.

So auch wieder, wenn er behauptet, Maxim Biller sei ein Boheme-Jude des 19. Jahrhunderts, während er ein (fortschrittlicher) Jude des 21. Jahrhunderts sei. Und er begründet seine bevorzugte Stellung damit, dass ihn das interessiert, was im Nahen Osten passiert, „ob dort der Holocaust vollendet wird, den die Nazis auf halber Strecke abbrechen mussten.“ Spätestens hier wird einem klar, dass man es mit einem psychisch stark angeschlagenen Menschen zu tun hat und fragt sich, was mit diesem Broder los sei. Biller gibt uns sehr schnell drauf die passende, aufklärende und überzeugende Antwort. Wobei man auch ohne Biller merkt, dass hier schlimmste Paranoia spricht, weil erstens der Iran, den Broder ja meint, nirgends behauptet hat, dass es Israel vernichten möchte, sondern nur die ungerechte und unrechtsmäßige Besatzung beseitigen will und zweitens stellt sich auch die Frage, ob der Iran das überhaupt kann, ganz zu schweigen davon, dass in Israel nur ein Drittel des jüdischen Volkes lebt und somit wieder einmal das Werk der Nazis „unvollendet“ bliebe.

Billers Erklärung stammt eigentlich von Broder selbst. In einem Porträt in der SZ hat er erzählt (und heute bedauert er das sehr), dass er nachts seinen Vater mit Ohrfeigen wecken musste, weil dieser von Auschwitz geträumt hat. Ein Mensch, der das machen musste, ist jemand, der zum Teil nicht mehr sein eigenes Leben lebt, sondern das seiner Eltern, seines Vaters.

In seinem Verriss des Biller Buches schreibt er: „Ich hätte auch gern Eltern wie er gehabt – gebildete und gesellige Menschen, mit denen man über alles reden konnte, und keine KZ-Krüppel, die schon ausrasteten, wenn ich mal eine Stunde zu spät nach Hause kam.“

Und hier ist wohl Broders Geheimnis begraben. Ich halte diesen Satz für einen Schlüsselsatz, um Broders Psyche zu verstehen. Auch mich hasst Broder so, dass er niemals sachlich gegen mich argumentiert, sondern immer nur persönlich. Und ich denke, ohne den Versuch zu unternehmen, ihn jetzt vollständig zu analysieren, dass er auch mich wegen meines Vaters hasst, den er mangels eines eigenen, gebildeten und umfassend interessierten Vaters, oft besucht hat und mit ihm all das besprach, was er mit seinem eigenen Vater nicht besprechen konnte. Mein Vater war kein Auschwitzüberlebender und auch meine Mutter war, Gott sei dank, nicht in Auschwitz, obwohl das, was beide erlebt haben auch nicht gerade Urlaub an der Riviera oder in der Südsee war. Er beneidet Maxim und mich (und wer weiß wie viele andere noch) um unsere Väter, die gebildet, intellektuell und musikalisch waren. Vielleicht hätte er sich auch mal gerne ans Klavier gesetzt und sich mit einem Lied über den Frust geholfen. Aber er hatte kein Klavier und konnte nicht singen.

Billers Emphatie lehnt Broder ab. Er sei kein Sozialfall. Wer weiß? Er behauptet, dass jeder in seiner Generation das (mit den Ohrfeigen für den Vater) erfahren hat. Billers, der eine Generation jünger ist als Broder konnte offensichtlich darauf nicht antworten, deshalb muss ich es tun. Es stimmt nicht, das ist die zweite falsche Behauptung in diesem Gespräch, nicht jeder. Ich habe es nicht erfahren. Meine Eltern waren nicht traumatisiert. Zum Glück.

Die dritte folgt aber sehr bald. Broder wagt es zu behaupten, dass sein Trauma mit der „Allgegenwart des Holocaust in Deutschland zusammenhängt.“ Dabei ist es doch gerade Broder, der nicht müde wird anzuklagen, dass Deutschland es sich zu leicht mit dem Holocaust macht. Und er fährt mit seiner absurden Behauptung fort: „In Israel ist der Holocaust nicht so präsent wie hier. Die Deutschen sind viel mehr traumatisiert als die Juden.“ Ausgerechnet in Israel, wo das ganze Land einmal im Jahr eine volle Minute still steht und an Auschwitz denkt soll der Holocaust nicht so präsent sein. Wenn es nicht zum weinen wäre, dann könnte man lachen. In welcher Welt lebt dieser Clown? In Oz?

Da weiß man nicht mehr was man sagen soll, wo er doch gerade einige Zeilen davor von dem neuen Holocaust spricht, „den die Nazis auf halber Strecke abbrechen mussten.“ Wenn er gerade eine Woche davor im SPIEGEL schreibt, dass der Iran für Israel eine „existenzielle Bedrohung“ sei, weil Ahmadinedschad ein Genozid für die Juden plant und da ist es ihm egal ob er wieder Israelis mit Juden verwechselt. Da findet er es „mehr als geschmacklos“, wenn Erich Follath das Wort „Sonderbehandlung“ benutzt und die Palästinenser die Worte „Ghetto und Holocaust“. Zeugt das nicht von einem tiefen, obsessiven Trauma, unter dem nicht nur Broder leidet, sondern ein großer Teil der israelischen Gesellschaft, zumal wenn man noch daran denkt, dass die israelische Regierung jährlich tausende von Jugendlichen nach Auschwitz schickt, damit sie dort ihre jüdische Identität finden und wenn nicht wenige junge Israelis sich als Mode die KZ-Nummer ihrer Großeltern auf den Arm eintätowieren lassen, als Zeichen der Identifizierung mit ihnen.

Broder hat uns einen tiefen Einblick in seine seelische Verfassung gegeben, unfreiwillig, aber gründlich. Wir danken ihm dafür. Mitleid kann er nicht erwarten. Mitleid muss man sich verdienen. Er hat es nicht verdient.

 

 

Abraham Melzer

 

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